Das alte Schulhaus in Hummersen
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Leerstand

Drama des Verfalls

Wenn man alte Orts- und Stadtkerne liebt, tut es in der Seele weh, alte Häuser sterben zu sehen.

Wer mit offenen Augen durch's Land geht oder fährt, stellt schnell fest, dass der Verfall um sich greift. Schneller als gedacht steht man plötzlich vor einer Ruine oder einem leeren Stück Land, wo kurz vorher noch ein Haus stand.

Es ist noch gar nicht so lange her, dass ich durch Lügde fuhr und aus den Augenwinkeln eine Lücke zwischen der Häuserfront an der Hauptstraße wahr genommen habe. Auf Nachfragen erfuhr ich dann, dass ein altes Haus "von Amts wegen" platt gemacht wurde. Wegen Gefährdung der Sicherheit, wie es offiziell heißt. Die alte Besitzerin war wohl nicht mehr in der Lage, Maßnahmen zur Sicherung oder sogar weiter gehende Maßnahmen zum Erhalt zu finanzieren. Das ist die eine Seite der Medaille in heutiger Zeit.

Die andere Seite ist die, dass sich eventuell vorhandene Erben gar nicht für einen Erhalt stark machen wollen. "Altes Zeug" wirft man schließlich auch weg, warum also nicht auch alte Häuser abreißen und einen gesichts- und strukturlosen Neubau in die Lücke stellen. Das ist billiger, wird oft argumentiert. Die Wahrheit ist, dass es teurer ist. Angefangen von den modernen Bauteilen, die samt und sonders dem Sondermüll zugeführt werden müssen, sobald dieses ehemals neue Haus einmal baufällig werden sollte. Ich wette immer noch mit jedem der es will, dass moderne Häuser keine 100, 200, 300 oder mehr Jahre alt werden.

Dreck, so nennt man den Lehm mit dem die Wände gebaut sind; das Ständerwerk ist aus vermeintlich unwertem Holz, das keiner Statik stand hält. Heutige Experten finden denn auch immer Lösungen, die eher nicht zu den alten Bauweisen passen. Da kommt dann Beton und viel Eisen ins Spiel.

Aber auf der anderen Seite rühmt sich jede Stadt mit altem Baubestand, Perlen für Touristen zu beherbergen. Da wird mit Superlativen geworben, dass sich die alten Eichenbalken biegen. Heimeligkeit wird vorgetäuscht und vor allem ausländische Touristen sind dann hin und weg von so viel ...tum. Ein vernünftiger Umgang mit dem alten Bestand wird aber nicht gefördert. Im Gegenteil. Die Förderungen für unter Schutz stehende Häuser ist auf einem untersten Niveau angekommen, und Besitzer von nicht denkmalgeschützten Gebäuden schauen völlig in die Röhre. Allenfalls zinsgünstige Kredite bekommen sie noch. Aber auch nur, wenn die Hausbank mit spielt. In unserem Fall tat sie es nicht, sondern streicht die gar nicht günstigen Zinsen selbst ein.

Ich kann es beinahe gut verstehen, wenn aus finanzieller Not (bei tatsächlich fehlenden Mitteln) Lücken in der Bebauung alter Städte und Dörfer entstehen. Andererseits finde ich, dass Aufklärung not tut. Kulturelles Erbe zu bewahren heißt ja nicht, dass man der Zukunft entrückt ist. Im Gegenteil! Ohne Vergangenheit gibt es keine Zukunft, also muss sowohl das Eine als auch das Andere vor Zerstörung bewahrt werden. Es ist schon viel zu viel "vergessen" worden, der Mensch sollte sich besinnen und der bestehenden Werte wieder bewußt werden - nicht nur einer Handvoll "Spinnerter", denen diese kulturelles Erbe schon immer wichtig war. Nein, auch Ottonormalverbraucher (sorry für den saloppen Ausdruck) muss bewußt werden, was uns da alles verloren geht. Und nicht zuletzt der Politik, deren Aufgabe es (auch) ist, dafür zu sorgen, dass nicht alles den Bach runter geht.

Und den großen Vereinigungen, die sich für die ganz großen Denkmäler so stark machen, denen sei einmal ans Herz gelegt, dass es nicht nur Burgen, Schlösser und Kirchen gibt, die es vor dem Verfall zu bewahren gilt. Kulturelles Erbe ist in der Hauptsache vom kleinen Mann geschaffen worden. So, wie heute der Mittelstand und die Arbeiter und Angestellten den Wirtschaftsmotor am Laufen halten, wurde dieses Erbe in der Hauptsache vom Volk geschaffen. Leider sind diese Vereinigungen politisch abhängig, finanziert werden sie aber zum (Groß) Teil aus Spenden-, bzw. Lotteriegeldern. Also gibt hier wieder das Volk sein Bestes.

Aber das Volk sind immer noch wir! Als Hausbesitzer und Denkmaleigentümer gehören wir auch dazu.

Übrigens: Die Interessengemeinschaft Bauernhaus e.V., in der wir Mitglied sind, kümmert sich um Denkmal- und Althausbesitzer. Mehr darüber erfährt man auf der Homepage Link www.igbauernhaus.de

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