Willkommen
31. August 2009 von Ulrike Nolte
… bei der IGB Außenstelle Lipper Bergland
Das Lipper Bergland beherbergt, wie viele andere Regionen in ganz Deutschland auch, Juwelen alter Baukunst. Wenn man durch Dörfer und Landschaften fährt, hat man oft das Gefühl von Zusammengehörigkeit und gewachsenen Strukturen, die noch intakt zu sein scheinen. Nicht immer hält dieser erste Eindruck einer weiteren Überprüfung stand. Wenn man etwas genauer hinschaut, fallen die vielen leerstehenden Fachwerkhäuser auf, die oft schon nahe am Verfall sind. Während andere alte Häuser in der Nachbarschaft hübsch herausgeputzt daher kommen. Woran mag das liegen? Vielleicht an der Tatsache, dass denen, die so ein altes Haus besitzen, ständig weiss gemacht wird, es sei nicht zeitgemäß.
“Was ist denn zeitgemäß”? frage ich dann. Etwa ein Bunker aus Stahl, Beton und Glas? Gesichtslos, einheitlich, nach DIN-Norm gebaut?
Spätestens dann, wenn man sich einmal in so einem alten Haus ein paar Stunden lang aufgehalten hat, hat man die Vorzüge erkannt. Alles ist individuell, Lehm, Kalk und Holz strahlen eine warme Atmosphäre aus. Von außen wirkt das Gebäude so, als ob es genau an diesen Platz hingehört wo es steht. Nun ja, da steht es in aller Regel ja auch schon seit Ewigkeiten. Selbst die Umgebung passt, angefangen vom Garten bis hin zur Nachbarschaft.
Ich frage mich oft, wieso die Menschen zwar solche Kulissen mögen, sich aber weigern, selbst so einen alten Kasten ihr Eigen zu nennen. Leute wie wir - die sich mit allen zur Verfügung stehenden Kräften dran machen, so ein altes Haus mit neuem Leben zu füllen - werden oft als Spinner belächelt. Auf der anderen Seite aber zieht es die Menschen in solche Regionen die in fast allen Fällen s.g. Touristikregionen sind.
Wenn wir alle alten Häuser abreißen würden, nur weil sie nicht mehr “zeitgemäß” aussehen und für heutige Verhältnisse schlecht ausgestattet sind, berauben wir uns unserer eigenen Geschichte. Ortsbilder und ganze Regionen werden bezugslos und wirken dann nur noch wie Einheitsbrei. Ob im Süden, Norden, Osten oder Westen; überall findet man die gleichen Haustypen in standartisierter Umgebung, anstatt regionaler Vielfalt. Wir brauchen dann nicht mehr in Urlaub zu fahren. Es sieht ja überall gleich aus.
Den Verfall aufzuhalten, die Besitzer alter Häuser in ihren Bemühungen um den Erhalt (nicht nur der denkmalgeschützten Häuser) zu unterstützen und Menschen für den Erwerb und die Sanierung eines alten Hauses zu begeistern, das hat sich die IGB auf die Fahnen geschrieben. Außer der Kontaktstelle Lipper Bergland bemühen sich etwa 150 weitere Außen- und Kontaktstellen bundesweit und in ehrenamtlicher Arbeit. Dabei ist der Kontakt zu den Eigentümern genau so wichtig, wie der zu den Denkmalbehörden. Schließlich gilt es, die Vorstellungen zueinander zu bringen und die Beteiligten zu sensiblisieren. Nur wenn die alten Gebäude genutzt werden, können sie vor dem Verfall gerettet werden.
Um bei der Gelegenheit gleich mal mit einem Vorurteil aufzuräumen: Denkmalschutz bedeutet keine Abwertung, sondern eine enorme Aufwertung eines Hauses oder ganzen Ensembles. Denkmalschutz heißt auch nicht, dass die Besitzer nun entmündigt sind und ihrer Individualität in Bezug auf notwendige Erhaltungsarbeiten völlig beraubt werden. Denkmalschutz heißt, dieses Haus ist es wert, dass es für die Nachwelt erhalten bleibt. Und so eine Erhaltung muss nicht zwangsläufig teuer sein, so wenig wie eine Sanierung Unsummen verschlingen muss. Mit einem stimmigen Konzept lassen sich viele vermeintliche Probleme lösen, auch dabei können wir helfen. Ebenso bei der Auswahl der richtigen Handwerker und Materialien.
Übrigens. Wussten Sie, dass Handwerker sich für die Ausführung von Arbeiten an alten Häusern qualifizieren können? Das gilt nicht nur für den Zimmermann. Auch Maler, Maurer, Tischler, Schreiner und andere Gewerke können in eigens dafür eingerichteten Lehrgängen eine zusätzliche Ausbildung durchlaufen. Als staatl. geprüfte Restauratoren im jeweiligen Handwerk oder als staatl. geprüfte Techniker, Fachrichtung Baudenkmalpflege und Altbauerhaltung im jeweiligen Handwerk stehen diese Handwerker dann auch privaten Bauherren zur Seite.
Im Idealfall kann man Handwerker beauftragen, aber in vielen Fällen fehlt das Geld. Auch hier hilft die IGB mit qualifizierten Ratschlägen und Hinweisen weiter. Im eigens dafür eingerichteten öffentlichen Forum kann mit Fachleuten über das Für und Wider von Ausführungen diskutiert werden. Dabei ist zu beachten, dass Beiträge im Forum lediglich allgemeine Betrachtungen sein können und daher reine Meinungsäußerungen sind. Bei konkreten Sanierungsproblemen ist eine Einzelberatung durch einen Sachkundigen vor Ort zwingend erforderlich.
Die Aktiven des Vereins arbeiten ehrenamtlich, d.h., für Ratsuchende entstehen zunächst einmal keine Kosten. Aber so ein Verein hat natürlich auch Ausgaben die finanziert werden müssen. Da keinerlei Förderungen der öffentlichen Hand fließen (wodurch die Unabhängigkeit gewahrt ist), sind wir auf Mitgliedsbeiträge und Spenden angewiesen. Mehr dazu auf der Homepage der IGB oder direkt hier in der Außenstelle.

