Das alte Schulhaus in Hummersen
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Das Haus

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... und seine Geschichte

   

die noch weitgehend im Dunkel liegt.

Zunächst nahmen wir an, dass sie 1890 erbaut wurde. Aber schon sehr bald war klar, dass zumindest das Haupthaus wesentlich älter sein musste. Die 3 Fenster mit den Eisensprossen; der russische Schornstein, der mit seinem breiten Fuß eigentlich vom Obergeschoss aufragt; die alten Brettertüren; das waren kleine Hinweise.

Den ersten schriftlichen Hinweis bekamen wir vom Vertreter der Lippischen Feuerversicherung (Lippische Landes-Brandversicherungsanstalt). Bei dieser Gesellschaft ist das Haupthaus seit 1824, der Anbau seit 1902, ein Holzlager (das Nebenhaus) seit 1824 und ein Gerätelager (Garage) seit 1968 versichert. Er brachte mir eine Kopie der alten Versicherungskarte mit, die er extra aus dem Archiv angefordert hatte.

Einen weiteren Hinweis bekamen wir nach einem Artikel in der Lippischen Landes-Zeitung, den eine junge Journalistin nach einem Besuch in unserem Haus geschrieben hatte. Einige Tage nach dem Erscheinen rief mich ein Archivar des Staatsarchivs Detmold an - er hat den Artikel gelesen, im Archiv nachgeschaut und tatsächlich die kompletten Bauakten aus dem Jahr 1823 gefunden. Ich war baff!

Aber es sollte noch bis Dezember dauern, dass ich endlich einen freien Tag hatte und nach Detmold fahren konnte. Leider bin ich bis heute nicht in der Lage, die Akten, von denen ich mir Kopien machen ließ, zu lesen. Das älteste Dokument ist vom 23. Febr. 1821, wenigstens das und ein paar Bruchstücke kann ich entziffern. Möglicherweise gab es einen Vorgängerbau, aber das ist bis jetzt nur eine Vermutung.

 

Das älteste Dokument
Das älteste Dokument.
Die Nummerierung oben links (4)
läßt vermuten, dass es noch 3 frühere Dokumente gegeben hat, die aber nicht mehr in der Akte vorhanden sind.

Das Original liegt im Staatsarchiv Detmold
L80 III Nr. 3104

 

Ehemalige Schüler und Bewohner erzählen

   

26.05.06

Heute bekamen wir Besuch aus Frankreich. Ursula Schulz, die älteste Tochter des letzten Lehrers an der Schule - Bernhard Schulz - war auf Heimatbesuch und wollte gerne einmal wieder das Haus besuchen, in dem Sie einen Teil ihrer Kindheit verbrachte. Sie erzählte ein wenig aus ihrem und aus dem Leben der Familie während der Zeit in der Schule. Nun wissen wir etwas mehr über die Nutzung der Räume: das künftige Esszimmer war die gute Stube der Familie, die Küche war Waschküche, das Bad war Küche, die Ankleide Schlafzimmer der Kinder (3 Mädchen), das Schlafzimmer wurde auch schon damals als solches genutzt. Im Obergeschoss wohnte eine alte Dame, die immer auf die Schwestern von Ursula aufpasste, vor allem auf die Kleinere, die wohl ein unruhiges Kind war. Die Familie Schulz kam etwa 1950 nach Hummersen, Ursula war schon 12 Jahre alt. Die beiden Schwestern wurden 1950 und 1952 im Haus geboren. 1957 zog die Familie in die neue Lehrerwohnung an der neu erbauten Schule in der Weserberglandstraße, der Schulbetrieb an der alten Schule wurde eingestellt.

In diesem Jahr wurde ich immerhin schon 4 Jahre alt ;-)

   

20.06.06

Heute bekam ich Post von der unteren Denkmalbehörde. Im Umschlag befanden sich einige Unterlagen, die die oberste Denkmalschützerin kopiert hat. Mit dabei eine Kopie einer Katasterkarte des Dorfes von 1870. Ich habe unser Grundstück allerdings noch immer nicht gefunden.

  Katasterkarte 1879
Eine Katasterkarte des Ortes
aus dem Jahr 1879

23.06.06

Heute war ein sehr interessanter und lehrreicher Tag. Der Hausforscher Heinrich Stiewe kam vorbei und als er uns wieder verließ, war ich um einige Details schlauer.

Die vermeintliche Feuerstelle in der Küche ist die Aschegrube. Die Feuerstelle selbst muss rechts oder links daneben sein. Rechts kann ich noch ein wenig graben, links steht der Schornstein.

Das gesamte Gebäude ist entgegen des Plans um ein Gefach verlängert worden weil sonst das zweite Fenster auf der rechten Nordseite (Eingang) zu sehr an der Wand gesessen hätte.

Die breite Eingangstüre war ursprünglich höher. Die zweite Eingangstüre ist erst wesentlich später gesetzt worden.

Das Nebenhäuschen war ein Backhäuschen. Die nachträgliche, 2 Fach breite, Verlängerung wurde sehr viel später angebaut. Dabei wurde der Backofen entfernt. Ich werde später, wenn das Häuschen ausgeräumt wird, nach mehr Spuren suchen. Im Moment sieht man "nur" 2 rußgeschwärzte Sparren und einen rußgeschwärzten Balken.

Der Entwurfszeichner des Schulgebäudes war der Geometer Overbeck.

Das Gebäude wurde mit Hilfe der Hummersener Bauernschaft gebaut und das Holz wurde "gespendet". Die Obrigkeit wusste auch damals schon, wie sie die Last auf die Bürger verteilt ...

Der Zugang zum Keller war durch eine Klappe verschlossen.

Die Oberkante Fußboden im Flur lag ursprünglich etwas tiefer, die originalen Platten liegen noch unter der Treppe.

Wir haben unser Grundstück auf der alten Katasterkarte identifiziert. Ich habe an einer völlig falschen Stelle gesucht ...

 

 

Grundstück mit Bebauung im Jahr 1879
Und hier das Grundstück mit Bebauung aus
dem Jahr 1879.
Man sieht ganz deutlich, dass es damals
schon einen Stall gab, der aber wesentlich
kleiner war. Das Backhaus ist schlecht zu
sehen.

 

27.06.06

Die alte Feuerstelle in der Küche ist endgültig gefunden. Es gibt zwar kein Fundament mehr, aber der verbackene Lehm und einige Holzkohlereste sprechen dafür. Eigentlich ist es nur logisch, denn dahinter befindet sich die Feueröffnung des Ofens in der Stube. Die entweder eine Studierstube war, oder dort wurde ab einem bestimmten Zeitpunkt Handarbeitsunterricht gegeben. Vielleicht auch Beides.

  Die alte Feuerstelle
Die ehemalige Herdstelle in der Küche

26.02.07

Am Samstag bekamen wir Besuch von einer Verwandten der ehemaligen Besitzerin. Sie hatte 3 Klassenfotos im "Gepäck", von denen ich mir freundlicherweise jeweils einen Scan anfertigen durfte. Das ist ein schönes Gefühl, wenn Geschichte Gesichter bekommt.

Anhand der Bilder lassen sich jetzt auch Umbauarbeiten am Eingangsbereich beweisen. Außerdem wissen wir jetzt, dass zwischen Haus und Backhaus einmal ein Baum gestanden hat. Leider kann man auf dem Bild nicht erkennen, ob das ein Laub- oder Obstbaum war.

 

Klassenfoto 1895
Klassenfoto 1895

Klassenfoto um 1900
um 1900

um 1920
um 1920

28.02.07

Anfang der Woche stöberte ich mal wieder im Internet und stieß auf ein Dokument (pdf) über die Schule in Rischenau. Da mein Suchwort "Hummersen" war und dieses Dokument ausgegeben wurde, musste der Ortsname enthalten sein. Ich fing gespannt an zu lesen, und tatsächlich, unser Ort wird dort 5 mal erwähnt.

Ohne Datum werden 14 Kinder in einer Schule angegeben, aber das muss die Vorgängerschule gewesen sein. Die nächste Erwähnung ist eine Anordnung des Generalsuperintendenten Ewald, der nach dem 20. Juli 1789 ein Gutachten durch den Amtszimmermeister Ignatius Papemeyer in Hummersen für die Rischenauer Schule erstellen ließ.

Dann wird es spannend ;-)

Irgendwann zwischen 1833 und 1842 tat ein Franz Simon Heinrich August Ottomeier seinen Dienst in der Hummersener Schule (unser Haus). Ottomeier ist am 12. Juni 1816 in Oberhausen (Bauerschaft Brokhausen, Vogtei Detmold) geboren. 1829 ist er ins lippische Seminar eingetreten und hat, nach seiner Einstellung am 21. September 1833, zuerst in Brakelsiek und dann in Hummersen im Dienst gestanden; seit dem 3. Juli 1839 ist er mit der Schullehrerstochter Luise Habermann aus Niese verheiratet.

Ich vermute, das war der zweite Lehrer nach dem Bau unserer "alten Schule". Möglich ist aber auch, dass es schon mehrere Vorgänger gegeben hat.

Aber das ist noch nicht alles. In einem nicht näher bezeichneten Zeitraum vor 1949 tat ein Lehrer Helmut Seiger seinen Dienst hier an der Schule. Auch er ist anschließend nach Rischenau versetzt worden. Und zur Schließung des Kreises wird auch noch Bernhard Schulz genannt, der nach Schließung der neuen Schule in der Weserberglandstraße im Jahr 1968 ab dem 1.1.69 seinen Dienst in Rischenau antrat. Gewohnt hat er aber noch in der Lehrerwohnung hier im Ort.

Jetzt ist das Dunkel ein wenig heller beleuchtet und ich habe neuen Mut gefasst, doch noch die gesamte Geschichte unseres Hauses aufzurollen. Außerdem habe ich ein paar Buchtitel ausfindig gemacht, die sich mit der Situation der Menschen im 19. Jahrh. in Lippe beschäftigen. Nach und nach werde ich auch diese Bücher durchforsten. Klar ist auch, dass ich noch viel Zeit z.B. im Staatsarchiv verbringen werde. Außerdem steht noch immer die "Übersetzung" der alten Bauakten an. Mir wird so schnell nicht langweilig ;-)

Bevor ich das wieder vergesse - an der Schule in Rischenau bestand um 1830 eine Spinnschule, die in einem kleineren Arbeitsraum untergebracht war. Es ist nicht auszuschließen, dass so ein Unterricht auch an unserer Schule stattgefunden hat. Einen Hinweis auf Flachsbearbeitung hier im Haus ist die alte Flachsbreche, die wir gesichert haben. Was wir als Mangel identifiziert haben, könnte auch eine s.g. Maschinenbreche sein. Dafür spricht, dass die Rollen nicht ganz glatt sind, sondern Aussparungen haben. Andere Hinweise auf Heimarbeit sind die 3 oder 4 Sack voll Holzwäscheklammern (auch die haben wir gesichert) und nach Aussagen gab es hier auch einen Nähkreis, der wohl nach dem Krieg gegründet worden ist.

Na ja, zukünftig wird hier (auch) gesponnen, gewebt und genäht. Jedenfalls gehört das zu meinen angestammten Hobby's.

 

 

 

Quellenangabe:
(Verlinkung mit freundlicher Genehmigung)

Der Genealogische Abend
Naturwissenschaftlicher und
Historischer Verein für das
Land Lippe e. V.

Link www.nhv-ahnenforschung.de

Link Direktlink auf das Dokument

09.03.07

Zwei weitere Namen von Lehrern/Lehrerinnen wurden mir zugetragen. Leider ohne nähere Zeitangaben. Vor Lehrer Schulz gab es eine Lehrerin: Frau Muckermann. Sie war wohl nur kurze Zeit an der Schule. Davor war ein Lehrer Namens Schnasse hier.

   

21.01.09

Sieglinde Erdmeier, die Tochter von Erna Gerke, brachte mir ein Klassenfoto aus dem Jahr 1923 auf dem ihre Mutter mit den Mitschülern des Jahrgangs zu sehen ist. Der Lehrer hieß Schnasse.

  Klassenfoto aus dem Jahr 1923
Klassenfoto aus dem Jahr 1923

23.07.09

Durch die Beschäftigung mit der Geschichte Hummersens komme ich auf einige Zusammenhänge mit unserer Schule. Außerdem habe ich heraus gefunden, dass in Detmold noch weitere Akten liegen, die ich mir demnächst kopieren lasse. Die "Übersetzung" der altdeutschen Schrift macht mir jedoch großes Kopfzerbrechen. Ich empfinde es als unglaublich schwer, die Worte überhaupt zu erkennen. Dank einer ganz lieben Dorfbewohnerin habe ich aber zumindest den Anfang. Die erste Seite in den Akten ist ein Bericht des Lemgoer Baumeisters H. Overbeck an das Fürstl. Lippische Consistorium vom 19.02.1821, in dem er den Zustand der damaligen Schule beschreibt und den Bau eines neuen Schulgebäudes empfiehlt. Riss und Anschlag (Kostenschätzung) hat er gleich beigefügt. Nun gilt es, sämtliche noch lebende Personen, die diese Schrift noch lesen können (das sind nicht mehr viele) um Mithilfe zu bitten. Ich habe aber berechtigte Hoffnungen, eines Tages die gesamte Geschichte dieses Hauses aufschreiben zu können.

   
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