Auf den ersten Blick sahen wir im OG eine Borte, die mit einer Schablone hergestellt wurde und den s.g. russischen Kamin. Die beiden ungleichen Fenster im OG an der Ostseite waren auch unübersehbar.
Die erste Entdeckung machten wir, als wir im künftigen Esszimmer damit begannen, die Tapeten abzumachen. Unter den 3-4 Schichten kam eine Zeitung aus dem Jahr 1897 zum Vorschein, die man damals als Makulatur verwendete. Leider sind die Artikel nicht vollständig lesbar weil wir diese Schicht nur mühsam ablösen konnten und dadurch natürlich nur Fragmente erhielten. Außerdem: Dieser Raum war ursprünglich durch eine Tür vom Schulraum erreichbar.
Auch in der Küche gab es kleine Aha-Erlebnisse: Die Wand zum Esszimmer ist eine vorgesetzte Ziegelwand aus gebrannten Feldsteinen, die in etwa halber Höhe stark rußgeschwärzt ist. Hier war also die ehemalige Kochstelle. Der Schornstein wurde nachträglich eingezogen und mündet an der Decke in den russischen Kamin, der im OG aufsteht. Etwas später konnte ich dann auch das Fundament der dazu gehörigen Feuerstelle freilegen. Einige Zentimeter über dem Fußboden ist ein Durchbruch für die Befeuerung des Eisenofens in der Stube (Esszimmer), der dort direkt an die Wand gebaut wurde und dessen Rauchgase oberhalb durch einen weiteren Durchbruch zurück in die Küche unter den Rauchschirm geleitet wurde. In diesem Haus gab es also eine s.g. "schwarze" Küche.
Einen weiteren Türdurchbruch fanden wir im künftigen Bad, direkt rechts neben der Türe zur ehem. Speisekammer die wir für den Einbau eines WC's und als künftige Waschküche vorgesehen haben. Vermutlich war das einmal der Durchgang/Zugang zu einem Vorgängerbau des Anbaus. Auf der Entwurfszeichnung ist so ein Anbau eingezeichnet, allerdings viel kleiner als er heute steht.
Der rechte Schornstein entpuppte sich dann auch noch als eine Besonderheit: Die rechte Stube/Schlafzimmer wurde durch einen Eisenofen beheizt, der vom Flur aus beschickt wurde. Die eigentliche Brennkammer befindet sich direkt im Schornstein, durch einen Durchbruch zur Stube wurde die Wärme in den Eisenofen geleitet. Ein Bypass beförderte einen Teil der Rauchgase zurück in den Schornstein. Vermutlich war der Eisenofen eine Art Grundofen, der Rauchgaszüge besaß. An der Nordseite befand sich urprünglich auch ein zweites Fenster.
Die Brettertüre von der Küche zum Anbau war ursprünglich eine Klöntür, die man kurzerhand mittels einer Leiste zu einer ganzen Türe umbaute, die aber noch immer an 4 Einschlagkloben hängt.
Unter den Tapeten, die meist aus mehreren Schichten bestand, kam fast in jedem Raum der ursprüngliche Kalkputz zum Vorschein. Auch dieser bestand aus einigen Schichten, je nach Mode in verschiedenen Farben. Der letzte Anstrich war grundsätzlich weiß. Außer im Wohnzimmer, wo es keine Tapeten an den Wänden gab, sondern sehr viele übereinanderliegende Putzschichten. Hier war der letzte Anstrich ein ziemlich gräßliches Grün, die Decke war weiß.
Die Dielenböden im künftigen Bad, Ankleide und Schlafzimmer mussten wegen starker Schädigungen durch den Holzwurm aufgenommen werden. Dabei kamen in der Ankleide sehr alte Auflager aus Zweitverwendung zum Vorschein, die ehemals vermutlich zu einem Torbogen o.ä. gehörten. Natürlich dickes Eichenholz, aber stark geschädigt. In Bad und Schlafzimmer wurde ganz offensichtlich schon einmal der Boden erneuert. Die Auflager bestehen aus Fichtenholz und haben sehr viel kleinere Dimmensionen. Im Bad fanden wir unter den Auflagern einen gestampften und gekalkten Lehmboden
Im ehemaligen Schulraum/künftiges Wohnzimmer fanden wir 2 Schichten Dielenboden. Der obere Boden bestand aus ca. 12 cm breiten Eichenbrettern, die stark geschädigt waren. Darunter befand sich ein Boden aus ca. 40 cm breiten und ca. 3 cm starken Eichenbohlen, die mit dicken Holznägeln auf den Auflagern befestigt waren. Statt mit Nut und Feder waren sie mit kleinen Holzdübeln miteinander verbunden. Nach der Freilegung mussten wir aber feststellen, dass auch diese Dielen stark geschädigt und leider unbrauchbar sind. Die Füllungen zwischen den Auflagern über dem Keller bestanden teilweise noch aus Lehmwickeln. Die extrem starken Faulstellen an den Auflagern an der tiefsten Stelle (Ecke Nord/Ost) lassen einen nicht unerheblichen Wasserschaden vermuten. So fanden wir dann später auch noch einen Brandschaden am Steiger in der Küche.
Die schönste Tapete fanden wir im OG/künftiges Arbeitszimmer des Hausherrn: ein blau/grau/weißes Weinlaubmuster als erste Schicht auf dem Oberputz aus Lehm. Hier gab es ursprünglich keinen Kalkputz, nur das Fries oberhalb der Tapete und die Decke bestand aus einer Schicht weißem Kalkanstrich. Im künftigen Gästezimmer gab es ebenfalls keinen ursprünglichen Kalkputz unter der Tapete. Was darauf hin weist, dass diese beiden Räume erst sehr viel später ausgebaut wurden. Die Deckenfüllungen bestehen aus Lehmwickeln, die wir auch so erhalten konnten.
Die Füllungen der Sparren in der Dachschräge zwischen Anbau und Haupthaus bestanden ebenfalls noch aus Lehmwickeln, deren Holz aber leider sehr stark von Feuchtigkeit (undichte Kehle in Verbindung mit nachträglich angebrachten zementgebundenen Heraklitplatten) und Holzwurm geschädigt waren. Die meisten Lehmwickel bestanden nur noch aus Stroh- und Holzfragmenten. Es gab noch einen kläglichen Rest intakter Lehmwickel, die wir erst mal gesichert haben und später verkaufen konnten.
Der Zugang zum Keller wurde ursprünglich durch eine Luke geschlossen. Die Rahmenkonstruktion ist noch sichtbar. Diesen Zustand haben wir wieder hergestellt.
Die Räucherkammer besaß einen direkten Abgang in den Schornstein, er ist mit zementhaltigem Putz verschlossen worden. Vermutlich wurden so die Rauchgase in die Kammer geleitet. An der Decke war ein nur notdürftig abgedichteter Abzug in den Spitzboden.
In allen Decken in den Räumen im EG fanden wir Klappen, durch die die Wärme im Winter nach oben geleitet wurden. Nur eine Klappe (im Schlafzimmer) war noch vollständig erhalten und befindet sich jetzt unter dem Putz, bzw. dem neuen Fußboden im darüber liegenden Arbeitszimmer des Hausherrn. |