Das alte Schulhaus in Hummersen
Abstandhalter

Bautagebuch, die Dokumentation des Baufortschritts.
Dezember 2006

01.

Die neue Eichentreppe ist eingebaut. Die alte Treppe aufarbeiten zu lassen, hätte mindestens eben so viel gekostet. Sie war an den Wangen sehr morsch, Familie Holzwurm hatte zugeschlagen. Außerdem waren die Stufen und Setzstufen in großen Teilen hinüber. Nach langer Überlegung und Suche haben wir uns für einen polnischen Betrieb entschlossen, der uns eine sehr schöne Treppe geliefert und eingebaut hat. Gesamtkosten: 3.000 €

02.

Wände und Decke im Gästezimmer habe ich heute mit Marmormehlfarbe von Kreidezeit gestrichen. Man muss sich erst daran gewöhnen, dass die Farbe nicht sofort deckt. Im Moment sieht alles sehr scheckig aus. Dafür strahlen die hellen Flächen schon so richtig, vorher schluckte der braune Lehm das ganze Licht und es war immer düster im Raum.

Die Abseite im Arbeitszimmer habe ich mit Lehmfarbe von VOLVOX gestrichen. Die Farbe lässt sich ganz leicht streichen. Für den ersten Anstrich habe ich das Altweiß mit etwas Wasser verdünnt. Der zweite Anstrich bekommt dann schon eine Abtönung.

Zwei Fenster auf der Westseite sind nun auch schon eingesetzt. Männe übernahm das Ausstopfen der Ritzen mit Hanf. Es ist eigentlich ganz einfach zu stopfen, man muss nur darauf achten, dass der Hanf auch richtig fest sitzt. 5 weitere Fenster wurden angeliefert

04.

Heute hat Männe die alte Treppe auseinander genommen. Gut, dass wir die ersetzt haben, die linke Wange war komplett morsch. Der Holzwurm hatte ganze Arbeit geleistet. Zum Glück konnte man das unter den zig Farbschichten nicht sehen. Jetzt ist mir nachträglich ganz flau im Magen und ich bin froh, dass das alte Teil die Belastungen von den vielen Handwerkerfüßen bis zuletzt ausgehalten hat.

Ich wollte die neuen Fenster ölen und habe mich ziemlich geärgert. Weil nun alles sehr schnell gehen muss, wird auch gehörig gepfuscht. Es ist wirklich nicht mehr lustig. Der Fensterbauer musste sich denn auch eine Standpauke anhören.

Männe kehrte Decke und Wände in seinem Arbeitszimmer ab. Das Finish wurde mit Feinputz von Conluto gemacht. Der sandet sehr stark nach dem Abtrocknen und man muss den Sand wirklich dringend entfernen bevor man mit der Farbe weiter macht, sonst hat man ganz rauhe Wände.

18.

Die Räume im OG sind fertig, das Bad ebenfalls. In der Küche muss morgen nur noch ein Teil des Fliesenspiegels verfugt werden, dann kommt der alte Herd an seinen Platz. Auch die Steinböden sind verfugt, im Flur wurde unsauber gearbeitet, 2 oder 3 Platten haben sich wieder gelöst und wirklich eben liegen die Platten auch nicht.

Die Fenster sind noch immer nicht komplett. Irgendwann bekomme ich noch einen Krampf deswegen. Eigentlich wollten wir am Donnerstag Hausrat und Möbel aus dem Lager holen. Nun haben wir alles um eine Woche verschoben, das ist dann aber auch "Matthäus am letzten". "Wüsti" hat echte Probleme, die Fenster ohne irgendwelche Mängel zu liefern und ich darf nun im Akkord streichen und einglasen. Ganz zu schweigen davon, dass ich ja eigentlich die ganzen Streicharbeiten selbst machen wollte. Nun mussten wir dafür einen Maler beauftragen und der wollte natürlich auch Geld dafür - was nicht eingeplant war. Es wird auf die letzten Meter auch noch eng im Budget. Die eigentliche Verzierung der Wände mache ich aber dann doch noch selbst.

Die Küchenmöbel stehen parat, sie wollen nur noch aufgebaut werden. Ich freue mich wie eine Schneekönigin auf mein künftiges Reich. Zu Silvester werde ich wohl das erste Mahl auf dem alten Herd köcheln, die Töpfe dafür sind im Anmarsch. Morgen wird das gute alte Stück an den Schornstein angeschlossen und ich werde gleich mal ausprobieren, wie er sich anfeuern lässt.

Damit wären dann alle Feuerstellen komplett. Der Holzvergaser arbeitet schon fleißig, auch der kleine Grundofen im Wohnzimmer und der Heizkamin im Flur geben heimelige Wärme ab. Mir macht das Anfeuern morgens richtig Spaß und ich freue mich doppelt bei dem Gedanken, nie mehr teures Heizöl kaufen zu müssen. Dieser "Anfeuerrundgang" am Morgen hat etwas Rituelles. Der kleine Grundofen von SANDOMUS ist ein regelrechtes Heizwunder, zwei Mal habe ich es schon geschafft, morgens noch Glut zu haben. Der Heizkamin dagegen zieht viel zu viel Luft. Ich mache ihn nur selten sauber und brenne das Holz auf einem Aschebett ab. Sonst bläst er noch mehr Wärme direkt in den Schornstein. Mal sehen, was man da noch machen kann. Die Fußheizleisten im OG sind deutlich überdimensioniert, dort ist es viel zu warm. Ich habe die Regler auf 2 gestellt, so ist es erträglich.

Männe holt übrigens klaglos Holz und stapelt die Tagesrationen auf. Er gewöhnt sich daran, künftig den Holzmann zu spielen. Na ja, schließlich müsste er ja auch das Heizöl bezahlen ;-)

Außerdem mausert er sich zum Abdichtungsspezialisten. Alle Fenster werden mit Hanf abgedichtet. Er macht das so gut, dass es nirgends mehr zieht. Die ersten beiden Fenster hat er noch zu dolle gestopft, der Hanf kam außen wieder raus.

Der Countdown läuft - für die ganze Welt ist Weihnachten und der Jahreswechsel wichtig, wir überschlagen uns für die erste Nacht im alten Haus. Und zwar noch in diesem Jahr ...

Am Mittwoch ist Bauabnahme-Termin.

19.

Ich kann kochen und waschen. Die Geräte stehen an ihrem Platz und sind angeschlossen. Irgendwie beruhigt mich das sehr.

Und zur Krönung des Gefühls werden über Weihnachten die Küchenmöbel aufgebaut.

20.

Die Bauabnahme (Teilabnahme für das Wohnhaus) ist positiv verlaufen. Obwohl noch 9 Fenster fehlen. Ich bin immer wieder überrascht, wie viel Anerkennung wir für unsere Arbeit ernten, und auch Unterstützung von den Ämtern.

Die "Massenproduktion", streichen und einglasen, geht gewaltig auf's Kreuz. Praktisch arbeite ich den ganzen Tag von 7-18 Uhr in gebückter Haltung. Gestern sogar ohne nennenswerte Pause bis 20 Uhr. Kaum ist ein Fenster fertig, wird es auch schon eingebaut. Ich hoffe inständig, dass der feuchte Kitt keinen Schaden nimmt und diese Arbeit nicht umsonst ist.

Weil ich gestern einen Messfehler beim Glaszuschneiden machte, kam heraus, dass die Abstände der Sprossen innerhalb eines Flügels unterschiedliche Maße haben. Der Gipfel sind Versätze an beiden Flügeln. Das sieht man. Bei einem Fenster treten jetzt schon erhebliche Trocknungsrisse auf, leider sieht man die erst, wenn Farbe ins Spiel kommt. Wir wissen noch nicht, wie wir mit diesen ganzen Produktionsfehlern umgehen. Im Moment ist nur klar, dass wir das Haus "zu machen" müssen. Will heißen, alle Fenster müssen rein. Mit der Lieferung der rohen Fenster ist der Fensterbauer 6 Wochen in Verzug.

21.

Das wird ein wirklich dramatischer Zieleinlauf. Gestern waren wir 14 Std. auf der Baustelle, heute werden es noch mal so viel. Ich brauche jeden Tag 2 fertige Fenster, sonst wird das nichts.

Zeitaufwendig sind die völlig überflüssigen Diskussionen über die Ausführung der äußeren Bekleidung. Trotz genauer Absprache wird einfach etwas anderes gemacht. Es ist wirklich zum "junge Hunde kriegen". Der Gipfel sind die verschmutzten Wände unterhalb der Fensterlöcher. Statt sich Pappe zu nehmen, die in ausreichender Menge zur Verfügung steht, um diesen Bereich beim Einbau zu schützen, lehnt man sich einfach an die Wand und behauptet hinterher steif und fest dafür nicht verantwortlich zu sein.

Von den Schmerzen, die ich wegen der extremen einseitigen Belastungen bekomme, will ich gar nicht erst ausführlich erzählen. Handwerker die sich selbst überschätzen, tun nicht nur sich selbst nix Gutes ...

23.

Ein Tag vor Weihnachten ...

2 Fenster im Essszimmer und 2 Abseitenfenster fehlen noch. Die liegen zum Streichen auf und können erst nächsten Mittwoch eingebaut werden. Ich habe mich bei den Scheiben vertan, im Gästezimmer nur ein Fenster gerechnet. Jetzt fehlen mir 6 Scheiben und der Lieferant ist schon im Weihnachtsurlaub. Mist! Nun muss ich einen Satz Flügel bis Januar liegen lassen und kann das Loch nach Einbau des Rahmens mit doppelter Thermofolie schließen. Es gibt Schlimmeres ...

Der Einbau der 4 Fenster im Wohnzimmer lief gestern wie am Schnürchen, ich musste heute noch einen Satz Flügel einglasen und einhängen. Leider hat unser guter "Wüsti" wieder schlampig gearbeitet und keine Keile für die besonders großen Abstände zum Fachwerk eingeschnitten. Der macht wirklich jeden Handgriff zweimal. Für Günter wird das Stopfen zur Qual, an einigen besonders klaffenden oder besonders engen Stellen sogar unmöglich.

Wichtig ist, dass der Hanf nicht zu fest, aber auch nicht zu locker gestopft wird. Evtl. ablaufendes Schwitzwasser durchnäßt den Hanf und kann nicht trocknen wenn der zu fest in den Fugen sitzt. Wir haben es erlebt und müssen nun an der Unterkante aller Rahmen alles wieder rausholen und neu stopfen.

Im Moment haben wir noch ständig beschlagene Scheiben und müssen immer wieder alle Fenster für ein paar Minuten öffnen. Sobald die warme Luft die Grenze der Feuchtigskeitsaufnahme erreicht hat, fange ich an zu frieren. Dann weiß ich, es ist Zeit zum Lüften. Ich vermute, dass die Wände noch immer nicht wirklich trocken sind, auch die ganze Farbe im OG hat wieder viel Feuchtigkeit eingebracht - und die muss nun raus. Was für ein Glück, dass wir genügend Holz haben und alle Feuerstellen funktionieren.

Heute habe ich auch den alten Küchenherd eingeweiht ;-)
Erst mal Probefeuern, dachte ich mir. Das Rauchrohr sitzt etwas schief, da fehlen noch ca. 10 cm Rohr, aber das tut der Funktion keinen Abbruch. Das gute Stück heizt einem ganz schön ein. Als erste Mahlzeit habe ich mir eine Rindfleischsuppe mit selbst gemachten Nudeln vorgenommen. Sobald die Küche steht, kann es los gehen. Ich freue mich schon auf den leise vor sich hin simmernden Topf und den Duft von det janze. Mein inneres Auge projeziert ein Bild aus Kindertagen dazu. Mal sehen, ob die Wirklichkeit mit diesem Bild überein stimmt. Nach langem Suchen habe ich sogar passende Töpfe gefunden, bei Link STUGA-CABAÑA gibt es so Manches was zu einem Haushalt in einem alten Haus passt. Die Preise sind sehr zivil.

So, und nun gönne ich mir meinen wohlverdienten Feierabend. Morgen früh geht es erst gegen 9 Uhr auf die Baustelle. Wir feiern Weihnachten ohne irgendwelchen Schnickschnack mit Arbeit. Als Festessen gibt es einen deftigen Linseneintopf ...

25.

Heute war "Bescherung" ;-), ich habe die Küchengeräte ausgepackt. Leider war nirgends eine Schleife drum :-(

Davor war noch eine größere Aufräumaktion fällig. Mein Helfer hatte alles Werkzeug und sonstige "Zutaten" wahllos in den Anbau geräumt, danach habe ich nichts mehr wiedergefunden.

Am Morgen hatte Männe ein AHA-Erlebnis. Nachdem wir gestern wirklich alles aus dem Haus geräumt hatten was dort nichts mehr zu suchen hatte - inkl. der Pappen die zum Schutz der Fußböden ausgelegt wurden - war die Luftfeuchtigkeit nicht mehr so hoch. Die Fenster waren nicht mal annähernd so stark beschlagen. Ist doch klar, die Pappen waren feucht. Das ist in etwa so, als würde man ständig Wäsche im Haus zum Trocknen aufhängen. Und er dachte schon, dass er jetzt jeden Tag Fenster putzen müsste ;-)

Morgen muss ich noch die beiden Fenster im Esszimmer und die beiden Abseiten-Fenster von der Ostseite einglasen. Dann müssen noch die Wetterschenkel gestrichen werden. Aber die muss unser guter Wüsti ja erst anpassen. Das hatte er vorher auch nicht bedacht und nun hängt wieder alles an einem Denkfehler. Als ob ich sonst nichts zu tun hätte, z.B. Küche aufbauen ...

Ansonsten ist es ein wunderbares Gefühl, endlich ein weitgehend staub- und dreckfreies Haus zu haben. Ich habe gestern mindestens 3 Std. lang gesaugt und sauber gemacht.

29.

Die Möbel sind im Haus. Ich habe fast vergessen wie sie aussehen und musste überlegen, was wozu gehört. Es ist ein schönes Gefühl, wenn nach so langer Zeit Altvertrautes vor einem steht. Aber es bedeutet auch noch mehr Arbeit, einige Stücke müssen dringend überarbeitet werden. Am heftigsten hat es mein altes Küchenbuffet erwischt. Der alte Vorratsschrank aus Oma's Beständen muss auch frisch gestrichen werden.

Mit der Küche haben wir auch noch unsere kleinen Nöte. Die empfohlene Arbeitshöhe ist mir entschieden zu hoch und im Moment hat Ikea nicht die passenden kurzen Füße auf Lager.

31.

Wenn wir Heilig Abend arbeiten können, können wir das auch zu Silvester. Also haben wir den ganzen Tag lang die Sparren im Hobbyraum und die freigelegten Balken im Arbeitszimmer und Gästezimmer eingeölt. Um Schlag 23 Uhr waren wir damit fertig. Zwischendrin leisteten wir uns ein Festmahl aus Schwäbischem Kartoffelsalat und Fleichküchle am Tisch, der im künftigen Bad steht. Nach der Arbeit holte Männe den kaltgestellten Sekt und zwei Gläser hier aus der Wohnung. Zu Mitternacht haben wir die Flasche geköpft und auf das neue Jahr im neuen, alten Haus angestoßen. Unsere Miezi war auch dabei, Theo nahm Reißaus (dieser olle Schisser ...).

Alles wird gut!

Abstandhalter
Abstandshalter