Das alte Schulhaus in Hummersen
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Bautagebuch, die Dokumentation des Baufortschritts.
August 2005

03.

Frau kann es nun mal nicht lassen. Damit meine ich mich selbst ;-)
Heute habe ich nach dem nun vorliegenden Flurplan einen ersten Garten-Gestaltungsversuch gemacht.

Hach, ich kann es mir schon so richtig vorstellen. Das wird ein Traumgarten zum Traumhaus. Am liebsten würde ich jetzt sofort hinfahren und anfangen. Was natürlich der totale Blödsinn ist. Erst kommt das Haus an die Reihe. Aber so bin ich nun mal: stets voller Einfälle und seeeehr! ungeduldig :-)

Wenn doch nur schon nächstes Jahr wäre ...

05.

Jetzt gehts los - wird aber auch Zeit ;-)
Am kommenden Montag misst unser Architekt zusammen mit einem einem Mitarbeiter das gesamte Haus aus (Aufmass) und wir haben einen Termin mit einem Baumpfleger.

Dann werden die Pläne erstellt und die ersten Ausschreibungsunterlagen rausgeschickt. Derweil müssen wir den Förderantrag ausfüllen und einreichen. Eine schnelle Bearbeitung und Genehmigung der Gelder wurde schon zugesagt. Wenn alles glatt läuft, kann am 1.9. schon mit dem Dach begonnen werden. Die alten Dachplatten werden geborgen und später im Garten wiederverwendet.

Wir werden in der übernächsten Woche ein verlängertes Wochenende dranhängen und das Haus entrümpeln. Einige Möbel und alte Gerätschaften werden wir behalten und derweil zwischenlagern. Leider ist ein herrlicher alter Schrank aus massiver Buche vom Holzwurm befallen. Der muss erst einmal behandelt werden denn den möchte ich später im Gästezimmer aufstellen. Eine massive Anrichte aus? steht auch noch verloren rum. Auch hier Holzwurmbefall, aber trotzdem erhaltenswert.

15.

So kann's gehen ...
Wir mussten am vergangenen Donnerstag unseren Architekten sozusagen entlassen. Denn bis dahin war noch kein Stück erledigt. Außer dem Aufmass, das wurde Montags erfasst, 2 Wochen später als vereinbart.

Aber kein Anruf bei der Denkmalbehörde, keine Abstimmung, nichts. Nur schöne Worte. Er wollte auf die Schnelle nur die Auschreibung für den Dachdecker fertig machen, nicht aber für alle anderen Gewerke, die an der Außenhaut beteiligt sind. Und gerade da drückt uns der Zeitschuh, denn wir müssen unseren Antrag bis Ende August eingereicht haben, damit die Genehmigungen noch erteilt werden. Dazu sind div. Vorarbeiten nötig, z.B. das Einholen der Kostenvoranschläge u.a.m.

Ich war vielleicht sauer ...

Und dann kam die große Hektik. Wo auf die Schnelle einen anderen Architekten herbekommen? Mir fiel erst mal nichts Besseres ein, als es selbst zu versuchen. Aber dann merkte ich ganz schnell, dass ich einfach zu wenig Ahnung habe. Innerhalb weniger Stunden war klar, dass ich das Kind niemals ohne fachliche Unterstützung baden werde. Also musste ein Architekt her.

Zum Glück bin ich ja schon seit Wochen im Fachwerkforum unterwegs. Und dort ist mir einer positiv aufgefallen. Der traute sich auch mal, die Dinge beim Namen zu nennen, auf die Gefahr hin, abgemahnt zu werden. Das gefällt mir als ewiger Revoluzzerin natürlich richtig gut. Also habe ich den Menschen angeschrieben und siehe da, er war/ist bereit, uns zu helfen. Am Freitag Termin vereinbart, am Samstag erst nach Nürnberg, dann nach Hummersen gefahren. Haus angeschaut, alles besprochen, Kurzaufmass gemacht, Boden im Klassenzimmer weiter aufgemacht, Essen gegangen, nach Hause gefahren.

Anstrengend, sehr anstrengend!! Aber auch sehr erhellend.

Am Sonntag ging es dann weiter. Alles musste aufbereitet werden und per Mail nach Nürberg geschickt. Der Ärmste saß anscheinend den ganzen Tag im Büro und hat getan, was er tun konnte. Das hatten wir nicht erwartet, aber es trägt natürlich zum Vertrauen bei.

Heute morgen dann mit dem Vorgänger telefoniert, bzw. mit dessen Atlatus. Wir hatten am Donnerstag schon vereinbart, dass wir eine Rechnung von EUR 1.200 zzgl. EUR 300 für die Dachdeckerausschreibung akzeptieren werden. Natürlich brauchen wir alles sehr schnell. Die Ausschreibung kam dann auch sofort per Fax - und der nächste Ärger auch. Ich habe das alles durchgelesen, meine Anmerkungen dran gemacht und an unseren Nothelfer geschickt. Wie ich das sehe, ist die Ausschreibung für die Katz.

Dann wurde uns gesagt: Macht Druck wegen der Zeichnungen, das brauchen wir jetzt dringend, oder es muss alles noch mal gemacht werden. Also noch mal telefoniert. Diesmal Druck gemacht. Die andere Seite ist nur schwer davon zu überzeugen, dass Kooperation jetzt alles ist. Erst auf meinen Einwurf, dass im September Wahlen sind und es dann sein kann, dass im nächsten Jahr keine Fördergelder mehr zur Verfügung stehen, wir dann EUR 20.000 verlieren könnten, etc. - und wir dann nicht zahlen werden, wenn wir jetzt die Anträge nicht rechtzeitig abgeben können - erst da wurde nachgegeben. Die Notizen sind schon mal da. Ich hoffe, dass unser Neuer damit etwas anfangen kann. Die Zeichnungen werden hoffentlich wie vereinbart, so wie sie fertig werden, per Mail geschickt. Dieses Büro braucht doch tatsächlich volle 2 Wochen, um so ein paar blöde Zeichnungen anzufertigen. Daran sieht man ganz deutlich, dass wir unter "da war doch noch was" laufen.

Mamamia, so ein Krampf! Ich ärgere mich über mich selbst am meisten, denn ich hätte viel eher was sagen müssen. Ein Glück, dass wir mit dem Archi noch keinen Vertrag hatten.

Jetzt hoffen wir mal, dass unser Nothelfer so gut ist, wie es scheint. Ich bin aber zuversichtlich.

21.

Überraschungen sind etwas Schönes. Deshalb freue ich mich auch über das, was wir in den vergangenen Tagen schon alles entdeckt haben.

Unser Haus ist auf alle Fälle vor 1890 erbaut worden. So viel steht schon mal fest.
Wir haben in der alten Küche etwas freigelegt, was nach einer offenen Feuerstelle aussieht oder auch nach einem s.g. Hinterlader. Einem Ofen, der von einem anderen Raum aus bestückt wurde.

Dann haben wir entdeckt, dass der ehemalige Klassenraum einmal mit dem Raum neben der Küche durch einen Durchgang verbunden war. Ich muss die Stelle noch vollständig frei legen, den Türsturz habe ich schon gefunden.

Die beiden Eingangstüren sind auch unterschiedlichen Alters. Die Treppe wurde nachträglich verbreitert und erhöht. Und die ehemalige Räucherkammer war wohl einmal am Kamin angeschlossen. Der verschlossene Durchbruch ist schön erkennbar.

Die Fenster sind durchweg aus Eichenholz und werden nun doch aufgearbeitet. Unser Architekt, der einmal den ehrbaren Beruf des Schreiners erlernt hat, riet uns dazu. Eichenfenster waren schon immer etwas Besonderes und wir müssten heutzutage viel Geld dafür auf den Tisch legen. Dazu kommt, dass die Scheiben fast durchgängig noch aus handgezogenem Glas bestehen. Auch das ist nicht mehr sehr häufig anzutreffen. Also werde ich nun einen "Lehrgang" im Entfernen und Sichern der Scheiben machen und die Rahmen von Hand, mit Maschinenunterstützung, schleifen. Das ist zwar sehr viel Arbeit, aber wir werden unsere Entscheidung sicher nicht bereuen. Das Haus behält wenigstens die alten Augen, wenn wir schon das Dach erneuern müssen, was unweigerlich zu einem völlig anderen Aussehen führt. Die alten Dachschindeln, teilweise noch von Hand gestrichen, sind leider nicht mehr zu gebrauchen.

Mir macht das alles schon sehr viel Freude, da lernt man die alten Handwerkskünste sozusagen im Anschauungsunterricht rückwärts kennen. So hat die alte Schule auch uns noch etwas zu lehren ;-)

23.

Schöne Überraschung...
Heute abend klingelte das Telefon und dran war ein Herr, der sich mit Heimatforschung beschäftigt. Auf der Kopie einer Katasterkarte von 1885 ist unser Haus schon eingezeichnet. Mit Anbau.

Ich hatte am Wochenende Tante Goxxxx bis zur Erschöpfung befragt und bin dabei auf
Link www.hummersen.de aufmerksam geworden. Schreib mal hin, dachte ich, kann ja nicht schaden. Tags darauf bekam ich eine Mail, dass meine Anfrage an den Heimatkundler weitergeleitet wurde - und der meldete sich heute telefonisch. Er hat noch mehr Material, sagte er, aber das mit der Kopie wollte er mir eben mal schnell mitteilen.

Ich habe mich riesig gefreut. Unsere Theorie, dass das Haupthaus älter als 115 Jahre sein muss, bestätigt sich damit. Der Anbau ist definitiv später aufgestellt worden.
Jetzt bin ich sehr gespannt was uns noch alles "blüht". Diese Reise in die Vergangenheit ist sehr spannend. Morgen fahre ich wieder hin.

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