Das alte Schulhaus in Hummersen
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Bautagebuch, die Dokumentation des Baufortschritts.
Juli 2005

09.

nun ist es passiert. Wir haben ein altes Fachwerkhaus gekauft. Eine Schule noch dazu - auf unsere alten Tage ... ;-)
Aber der Reihe nach.

Nachdem wir ein Haus im Harz ein zweites Mal besichtigt hatten, wurde unser schlechtes Bauchgefühl wegen der Feuchtigkeitsprobleme immer größer. Innerlich verabschiedete ich mich ganz langsam davon, obwohl es wirklich ideal gewesen wäre. Aber was hilft das, wenn man so unsicher ist, ob man die Probleme denn auch in den Griff bekommt. Die Vorstellung, dass die Schwellbalken angegriffen sein konnten, machte mich nervös. Dazu kam noch, dass der Behang auf der Wetterseite aus Asbest war/ist.

Also machte ich mich wieder auf die Suche und fand auch ein paar passable Objekte. Männe ging wieder mit seiner Idee von einem Reetgedeckten Haus schwanger, auch da fand ich ein paar hübsche Häuser. Leider war das Schönste davon aber schon weg ...
Ich machte also neue Termine.

Am vergangenen Samstag sagten wir zum Haus im Harz dann endgültig Lebewohl. Ich schaute noch einmal beim Immobilienscout 24 rein. Irgendwie trieb es mich dazu, obwohl ich schon ein paar nette Kandidaten hatte. Na, und was fand ich da? Unser Haus, ich wußte es vom ersten Moment an, nur sagte ich nichts davon zu Männe. Aber am Sonntag bat ich ihn, dort anzurufen und einen Termin möglichst für Dienstag zu machen. Das klappte auch. Im Fachwerkforum fragte ich dann noch nach einem Profi, der uns begleiten kann. Auch da bekam ich einen sauguten Tipp. Ein Zimmermann ist doch das Beste, wenn es um ein Fachwerkwerkhaus geht.

Also pilgerten wir am Dienstag in aller Frühe los gen Norden, denn das Haus steht im Lippischen, dicht an der Grenze zu Niedersachsen. Wir waren sogar recht pünktlich, was mit meinem besten Mann aller Zeiten schon nicht so ganz einfach ist. Der verfährt sich nämlich gerne wenn er meint, er hätte eine Abkürzung gefunden. ;-) Aber diesmal setzte ich mich nachdrücklich durch und wir fuhren auf direktem Weg dort hin.

Am Ort angekommen standen wir plötzlich vor dem Haus, ich erkannte es sofort und mein Blutdruck stieg etwas höher. Es blickte mich aus halbgeöffneten Augen an und schien mir zuzunicken (oder bilde ich mir das nur ein?). Wir fuhren weiter zum Haus der Besitzerin, es ist die Tochter der Frau, die zuletzt das alte Haus bewohnte. Eine sehr nette Frau, natürlich ist auch ihr Mann richtig nett. Wir fuhren zurück zum Objekt meiner Begierde, unser Zimmermann war auch schon da. Er hatte sich sogar schon ein wenig von außen umgeschaut und Bilder gemacht.

Die Besichtigung begann.

11.

Gestern habe ich mich über die Grundrisse gemacht. Das war gar nicht so leicht, denn unser Zimmermann hatte das Gebäude per Laser vermessen und wir hatten nur einen grob gezeichneten Grundriss von der Inneneinteilung. Es existieren halt keine Pläne mehr. Und wir haben natürlich noch nichts nachgemessen.

Trotzdem ist es mir, wie ich glaube, ganz gut gelungen. Selbst einen Aufriss vom Grundstück konnte ich meinem Gedächtnis entlocken, inkl. Stand der vielen Bäume.
Am Samstag schrieb ich stundenlang an einer Dokumentation für das Sanierungskonzept. So ganz dem Architekten überlassen will ich das nicht. Wer weiss, was der alles ändern würde. Überhaupt bin ich nicht glücklich, so jemanden einbeziehen zu müssen. Meine bisherigen Erfahrungen mit diesem Berufsstand sind nicht die Besten. Aber wir brauchen einen, ohne Architekt kommen wir mit dem ganzen Behördenkram nicht zurecht. Außerdem kennt er sich logischerweise besser mit den Ausschreibungen aus.

Nur das Fensterproblem - das habe ich heute schon mal in die Hand genommen. Der Inhaber meiner Wunschfirma wird sich bald melden. Er baut gerade einem Fachwerkhaus in der Gegend um Bamberg neue Augen ein.

Diese Geschichte wird noch ganz schön aufregend werden.

13.

Große Fragezeichen im Hirn und Überlegungen, was ökonomischer ist: Das Haus hier so lange behalten bis wir mit dem Umbau fertig sind? Oder uns eine Übergangsbleibe suchen, um näher dran zu sein? Das treibt mich gerade um.

Für behalten spricht, dass unsere Katzen bis zum endgültigen Umzug/Einzug ihre gewohnte Umgebung haben. Sie müssen dann nur versorgt werden, wenn ich nicht da bin. Aber das würde eine nette Nachbarin übernehmen. Das Gießen der Pflanzen ebenfalls.

Für das Übergangsheim sprechen diverse Vorteile: beträchtlich Geld sparen weil kein Doppelhaushalt notwendig, täglich vor Ort sein zu können, mehr selbst machen zu können (und damit noch mehr Geld einzusparen). Und Männe hätte mehr Ruhe für seine Arbeit. Schließlich muss er das Geld verdienen ...

Bleibt die Unsicherheit wegen der Katzen. Soll ich mich darüber hinwegsetzen?

14.

Den Verstand benutzen sollte man ja eigentlich immer.
Es fällt halt nicht immer leicht ;-) Zum Glück habe ich keine Probleme damit, und Männe auch nicht.

Es ging vorrangig um die Frage, ob man ein so altes Haus zudämmen soll um der EnEv Genüge zu tun. Die vielen Meinungen, teils sehr kontrovers, haben mich ziemlich verwirrt. Was versteht unsereins schon von der Materie? Dazu kam, dass die Experten in den vorhergegangenen Dikussionen nicht immer mit Verstand reagierten, sondern teilweise sehr unsanft miteinander umgegangen wurde. Das ist für unsereins noch schlimmer.

Ich hatte ein paar meiner Beobachtungen klar skizziert, als ich die Anfrage im Forum startete. Und hoffte, mit meiner ausführlichen Beschreibung auch die Bauherren anzusprechen, die das alles entweder schon hinter sich hatten, oder gerade dabei waren. Wer hat sich überwiegend gemeldet? Natürlich die Experten, wer sonst.

Aber man blieb fair und brachte Fakten auf den Plan. Die brachten mir die Erkenntnis: Wenn wir unser Haus innen oder außen abschotten würden, hätten wir bald Probleme. Das viele Geld auszugeben ist Unsinn, amortisiert sich erst sehr spät (da leben wir dann schon nicht mehr) und schadet dem Haus.

Das Ende vom Lied: Wir werden nur das Dach dicht machen, weil wir da ja vollends ausbauen wollen. Dann kommen (wenn techn. möglich, sollte aber) Kastenfenster rein. Dabei werden die alten Fenster aufgearbeitet und innen werden einfach verglaste Fensterflügel gegengesetzt. Man kennt das von früher. Falls von den alten Fenster das eine oder andere nicht mehr brauchbar sein sollte, wird es nachgebaut.

Als Heizung gibt es einen Grundofen im Wohnzimmer, einen Kochofen in der Küche (Sancal baut da was Schuckeliges) und vermutlich werden wir einen Pelletofen mit WW-Speicher und Heizleisten installieren. Vielleicht gibt es da aber auch noch andere Alternativen - Stückholzkessel oder Holzhackschnitzel - z.B. So eine Pelletlagerung braucht auch nicht wenig Platz. Öl und Gas kommen nicht in Frage. Auch keine Photovoltaik aufs Dach. Das wird eh nicht gehen. Wir dürfen ja auch keine Dachfenster einbauen. Sonnenenergie rechnet sich auch nicht wirklich. Ich verstehe zwar, dass man diese erneuerbaren Energien fördern sollte, aber dann sollte sich die Investition auch lohnen. Im Moment ist das alles noch ein Verlustgeschäft für den Endverbraucher.

Ich habe ein sehr gutes Gefühl. Das Haus steht schon so lange und Menschen haben auch lange genug darin gelebt. Es soll unser Zuhause werden, und nicht zum Staubsauger für das sauer verdiente Geld.

15.

Wir haben heute beschlossen, dass wir ins Übergangsheim ziehen. Dann ist die finanzielle Mehrbelastung für einen doppelten Haushalt weg, wir haben keine Fahrerei und können ständig vor Ort sein. Auch die Handwerker wollen kontrolliert werden ...
Ich habe eine nette FeWo mit WZ, SZ, Kü, Bad, Wintergarten und Liegewiese gefunden. Kostet inkl. Strom, Heizung und Wasser "nur" 600 Euronen. Die Katzen stören auch nicht. Unsere Möbel und Kartons können wir auf unserer Tenne abstellen. Nun muss nur noch geklärt werden, ob die Arbeiten am Dach und in der Tenne bis in ca. 3 Monaten abgeschlossen sein können. Denn wir müssen uns da auch noch ein Minibüro einrichten, Telefon und Strom legen. Irgendwie müssen wir ja auch ins Netz kommen können. Aber das wird schon.

Für mich bedeutet das, dass ich ab sofort mit dem Packen anfangen kann und meine Pflanzen ausgrabe, in Töpfe setze und so für die Reise vorbereite. Also Arbeit genug. Aber auch das wird.

Außerdem haben wir beschlossen, dass das EG zuerst komplett fertig gemacht wird, damit wir so bald wie möglich einziehen können. Vielleicht schaffen wir das ja bis zum Jan/Febr.?

Na gut. Packen wir es an, dann kann nichts liegen bleiben.

22.

Wir sind nun 3 Schritte weiter.
Am Donnerstag wurde vor dem Notar der Vorvertrag unterschrieben.

- am 1.9.05 gehört das Haus endgültig uns, mit allen Konsequenzen. Und am Freitag haben wir fast den ganzen Tag damit verbracht, uns vom Schornsteinfeger, Schreiner (der die Fenster aufarbeiten soll) und vom Architekten "Geschichten" erzählen lassen. Natürlich waren das keine Geschichten, sondern harte Fakten, Hinweise, Hilfestellungen und Gedankenanstöße.

Unsere Befürchtung bzgl. des Architekten sind zerstreut. Ich fand es toll, wie er uns zugehört hat, gezielte Fragen stellte und alles mit Kompetenz beantwortet hat (leider sollte uns dieses Gefühl später noch täuschen). Auch der Schornsteinfeger - Menschen dieses Berufsstandes werden ja immer als extrem schwierig beschrieben - stellte sich als kompetenter Gesprächspartner dar, der uns helfen will. Und der Schreiner machte uns auf so manche Unterschiede an unseren Fenstern aufmerksam, die mir noch gar nicht aufgefallen sind.

Unser Haus hat uns noch sehr viel zu erzählen. Heute waren es schon 2 Geschichten, eine davon muss noch näher untersucht werden. Und das hat sich auch wieder bestätigt: Man muss offen auf die Menschen zugehen, dann löst sich (fast) alles wie von selbst. Nichts lieber als das :-)

25.

Mir brummt der Kopf, und wie. Seit Mittag habe ich nichts anderes gemacht, als Bilder für die Webseite aufzubereiten. Und natürlich die gesamte Homepage aktualisiert.
Nun fehlen noch die Verlinkungen auf die großen Bilder, aber im Moment ist mir das zu viel. Außerdem findet Männe gerade wieder mal Schreibfehler ;-)

Das Thema Heizung ist nun auch durch. Den ganzen Vormittag hatte ich mich noch mit letzten Infos versorgt. Aber nun steht fest, welchen Holzvergaser wir nehmen werden. Eine ganz kleine Unsicherheit gibt es noch: ob die Vorlauftemperatur für unsere Heizleisten in Ordnung ist. Aber das läßt sich auch noch klären.

Nun warten wir noch auf die Kostenschätzung des Architekten. Wenn wir die diskutiert haben, können die Ausschreibungen verschickt werden.

So kommt eins zum anderen.

30.

Die Kostenschätzung unseres Architekten ist da. Sie ist doch ein wenig höher ausgefallen, als ich geschätzt habe. Aber dafür können wir nun auch die Mittel des Dorferneuerungsprogramms voll ausschöpfen.

Nächste Woche geht es los. Der Architekt wird das Aufmaß nehmen und die Pläne erstellen. Wir haben beschlossen, es bei dem vereinfachten Verfahren zu belassen, um Kosten zu sparen. Hauptsache, die Handwerker haben später verlässliche Maße zur Verfügung. Für die Ausschreibungen ist das wichtig.

Wir haben nun die dringlichste Aufgabe, unseren Antrag für die Zuschüsse aus dem Dorferneuerungsprogramm und gleichzeitig einen Antrag auf "förderunschädlichen Vorhabensbeginn" zu stellen. Dann können wir nach der Genehmigung ab dem 1.9. schon mal anfangen und das Dach neu eindecken lassen. Wir müssen ja ab November unsere Möbel im Haus unterbringen. Bis dahin sollte die Außenhaut fertig sein.

Also, ich kann es kaum noch erwarten ;-)

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